Reisetagebuch

5. Tag: Monterey - Carmel

 30.08.99: Weißer Strand in Carmel
 Wetter: sonnig, windig
 Temperatur: 29° C
 Autor: Thomas Flinspach

Meine erste (!) Nacht im Zelt habe ich gut überstanden. Auch Philipp, der alte Camperhase, konnte gut schlafen. Nach einer warmen Dusche (sehr sauber!) frühstücken wir Kellogg's Cornflakes und Brot mit Erdnussbutter. Wir bauen das Zelt ab und fahren runter zum bekannten Monterey Bay Aquarium ($ 12,75). Das Aquarium ist wirklich sehenswert. Besonders interessant sind die Aquarien mit den Kleinstlebewesen wie Krebse oder Quallen. Ebenfalls sehr amüsant sind die Seeotter, die gerade vor eine Schar von Zuschauern ihren sexuellen Gelüsten nachkommen (Männchen hat Weibchen im Würgegriff und dabei drehen sich beide im Kreise). Leider verstehen einige amerikanische Mitmenschen nicht auf Anhieb, was die beiden Tierchen da tun und fragen uns dummdreist: "Are they wrestling?" Das Vorurteil, dass der Großteil der Amerikaner prüde ist, scheint also wirklich zu stimmen!

Philipp genießt das Rauschen des PazifiksNach zwei Stunden verlassen wir das Aquarium und laufen bei strahlendem Sonnenschein die herrliche Strandpromenade bei der Pacific Grove ab. Ein absolutes Muss, denn die Küste ist ungemein reizvoll und mitunter kann man auch Seelöwen beim Knacken von Muscheln zusehen! Als wir zum Wagen zurückkommen, hängt ein Strafzettel an unserer Windschutzscheibe. Wir müssen $20 löhnen, weil wir die Parkdauer von bis zu zwei Stunden überschritten haben. Wir lernen: Die amerikanischen Politessen sind hellwach! Aus unserem Reiseführer wissen wir aber, dass wir als Urlauber diese Strafe nicht zahlen müssen. Also können wir beruhigt weiter nach Carmel.

In unserem tollen Reiseführer wird Carmel als sehr teueres Pflaster angepriesen. Besonders traumhaft muss der weiße Strand sein. Berühmt wurde dieser Ort auch durch den Bürgermeister Clint Eastwood. Wir lassen uns also überraschen.

Gleich in Strandnähe bekommen wir einen schattigen und kostenlosen Parkplatz. Wir packen unsere Badesachen aus und cremen uns mit der extra mitgebrachten Nivea Sonnencreme (Schutzfaktor 16) gründlich ein. Dann geht's schnell runter zum Strand.

Regungslos stehen wir einige Sekunden mit offenem Mund da. Tatsächlich erstreckt sich ein kilometerlanger weißer Strand vor uns. Wahnsinn! Leider ist das klare Wasser doch noch etwas zu kalt zum Baden und es windet sehr stark, so dass man sich nicht ungestört sonnen kann. Wir laufen einmal den gesamten Strand ab und versuchen ein Sonnenbad zu nehmen. Abschließend joggen wir dann zum Auto zurück. Da wir in Carmel bestimmt kein günstiges Motel finden werden, düsen wir weiter auf dem Highway #1.

Thomas am Strand von CarmelNach Carmel beginnen die besten 100 Meilen des Highway #1! Bis San Simeon gibt es keine Ortschaft mehr. Großartige Ausblicke auf Buchten und Steilküsten belohnen immer wieder die Serpentinenfahrt durch das Big Sur Country. Obwohl auch Big Sur in allen Karten und Reiseführern als Ortsname auftaucht, existiert nicht einmal ein Dorf im üblichen Sinne. Hier befindet sich auch die wunderschöne Pfeiffer Beach, die schönste Sandbucht zwischen Carmel und San Diego, die wir aber leider aus Zeitgründen nicht ansteuern konnten.

Im weiteren Verlauf der Strecke locken immer wieder neue Ausblicke und Fotomotive zum Anhalten. Spontane Entschlüsse zum Übernachten fallen aber südlich von Big Sur schwer. So kommen wir schließlich am späten Nachmittag in Cambria an. Nach sehr langem Suchen finden wir auch einen anständigen Supermarkt, wo wir Fleisch, Getränke und unsere berühmte Kühlbox ($3,99) kaufen. Eigentlich hatten wir vor, in San Simeon zu übernachten. Doch dieser Ort besteht nur aus einer einzigen verrotzten Hütte! Ohne Probleme finden wir im Campground San Simeon Creek noch einen freien Stellplatz ($12). Am nahe gelegenen Fluss sammeln wir noch Holz für unser Feuer und fangen wenig später an zu grillen.
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