Reisetagebuch

24. Tag: Grand Canyon

 18.09.99: Auf dem Bright Angel Trail bis zum Colorado
 Wetter: sonnig
 Temperatur: 33° C
 Autor: Thomas Flinspach

Philipp wird von einer Muli-Kolonne aufgehaltenPhilipp fühlt sich heute Morgen schon wieder viel besser, sodass unserem 15 km Abstieg zum Colorado River um plangemäß 9.30 Uhr beginnen können. Es gibt zwei Wanderwege durch den Grand Canyon: einmal den South Kaibab Trail (13% durchschnittliche Steigung, keine Muli-Karawanen, bei Sommerhitze gesperrt) und den berühmteren Bright Angel Trail (nicht so steil, aber viele Mulis), den wir marschieren werden. Grundsätzlich sollte man nicht an die große Glocke hängen, dass man an einem Tag bis zum Canyon und wieder zurück wandern will. Ansonsten können die überall umherstreunenden Ranger ziemlich unfreundlich reagieren. Es ist nämlich schon einige Male vorgekommen, dass aufgrund mangelnder Kondition Wanderer mit dem Hubschrauber wieder nach oben geflogen werden mussten. Selbstverständlich kann man auch im Canyon campen. Allerdings sind diese wenigen Campingplätze heiß begehrt und müssen schon mindestens ein halbes Jahr im voraus gebucht werden (Tel. 520-638-2474)!

Bright Angel Trail im Grand CanyonUnd tatsächlich: Auch wir bekommen schnell zu spüren, dass der Abstieg des Bright Angel Trails schon jede Menge Kraft kostet. Zumal auch noch die Sonne kräftig auf unsere Köpfe hinunterknallt. Besonders zu schaffen machen uns auch die zahlreichen fetten Amis, die auf Mulis unterwegs sind. Erstens verrichten diese Viecher alle 2 Minuten ihre Notdurft und zweitens kann man sie nur schwer überholen. Mit anderen Worten: Sie stören ungemein!

Die Landschaft ist schlichtweg atemberaubend. Nur leider können wir sie nicht ganz so intensiv in auns aufnehmen wie die zahlreichen anderen Wanderer, da wir mit einem höllischen Tempo unterwegs sind.Unseren ersten Stopp machen wir dann auf halber Höhe am Indian Garden, den wir schon nach 1 h 20 min. erreichen. Hier genehmigen wir uns erst einmal etwas Obst, Kekse und trinken natürlich auch jede Menge Wasser. Dann geht's weiter zum Colorado River.

Auf dem weiteren sehr sandigen mitunter auch steinigen Wanderweg wird Philipp urplötzlich von einer schwarz-weiß gemusterten Schlange angegriffen. Gerade noch rechtzeitig kann er zur Seite springen. Das hätte uns gerade noch gefehlt: Ein Schlangenbiss auf diesem nun kaum frequentierten Teil des Wanderweges!

Über solche Warnschilder kann Philipp nur müde schmunzelnSchließlich erreichen wir dann nach weiteren zwei Stunden den heiß ersehnten Colorado River. Doch außer einer dreckigen Brühe gibt's nicht viel zu sehen. Wir machen noch mal kurz Rast, ehe wir dann den Rückweg antreten. Nach insgesamt sechs Stunden und zwanzig Minuten haben wir dann wieder den Gipfel erlangt. Eine absolute Wahnsinnszeit! Nun sind wir aber auch fix und fertig. Zudem klebt überall an unserem Körper feiner roter Staub. Auch meine Camel-Schuhe sind wahrscheinlich nicht mehr zu gebrauchen. Doch die momentane Freude über das Erreichte überwiegt. Nun haben wir nur noch ein Bedürfnis: Ab unter die Dusche! Und so quälen wir uns in unser Auto und fahren rüber zum Mather-Campground, wo die Duschen ($1) sind. Hier können wir auch gleich unsere Dreckwäsche waschen.

Eigentlich wollten wir uns nach dieser Kraftanstrengung etwas besonderes zum Essen gönnen. Doch leider haben wir uns bei der Auswahl des Restaurants etwas vergriffen. Denn in der Masvick Lodge ist die Auswahl der Gerichte nicht gerade üppig und die Preise sehr hoch. Auch die Qualität des Essens hält nicht im entferntesten das, was wir uns erhofft hatten. Todmüde fallen wir dann schon um 21.30 Uhr in unsere Schlafsäcke.
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