Reisetagebuch

22. Tag: Arches NP - Bluff

 16.09.99: River Rafting und der große Bluff
 Wetter: sonnig
 Temperatur: 33° C
 Autor: Thomas Flinspach

Schon um 7.00 Uhr stehen wir auf und packen flugs unser Zelt zusammen, da wir heute Nachmittag weiter in Richtung Monument Valley fahren wollen. Doch zuerst steht ja noch der Rafting Trip auf dem Programm. Auch das Wetter spielt mit, sodass einer feucht-freulichen Bootsfahrt nichts mehr im Wege steht. Wir bezahlen für die halbtägige Tour je $38 an der Campground-Rezeption und werden um 8.30 Uhr von unserem sehr gut Deutsch sprechenden (Wer spricht eigentlich in Amerika überhaupt noch englisch?) Raft-Guide mit einem Kleinbus abgeholt. Uns überrascht es überhaupt nicht, dass unsere Mitstreiter ebenfalls aus Deutschland kommen - ein Pärchen aus Witten!

Philipp und ich beim Rafting auf dem Colorado RiverNach halbstündiger Fahrt kommen wir dann an unserem Startpunkt an. Philipp und ich entscheiden uns vorerst in einer Mischung aus Kanu und Kajak gegen die Naturgewalt Wasser anzukämpfen. So zwängen wir uns also in die Schwimmwesten und ziehen beide einen bescheuerten Helm auf. Die anderen schmeißen sich dagegen ins Schlauchboot. Kaum sitzen wir im Boot sind wir auch schon richtig nass, da der Boden mit zahlreichen Löchern versehen ist, um immer die gleiche Menge Wasser aufzunehmen. Das Wasser des Colorado ist nicht nur hier, wo zahlreiche John Wayne Filme und die Endszene von Thelma & Louise gedreht wurden, dreckig, sondern allgemein für seine braune Kolorierung berühmt. Wir haben wirklich keine große Lust in dieser Schlammbrühe zu kentern. Doch dazu besteht eigentlich keine große Besorgnis, denn die wenigen Stromschnellen sind alles andere als gefährlich. Und so dümpeln wir mehr oder weniger gemächlich über das Wasser und erfreuen uns an der wunderschönen Skyline. Als wir dann ins Schlauchboot umsteigen, wird die Sache noch gemütlicher. Im Endeffekt hatten wir uns schon etwas mehr versprochen, aber Spaß gemacht hat es trotzdem!

Pitschnass setzen wir uns in den Bus und werden wieder zurück zum Campground kutschiert, wo wir unsere Kleidung wechseln. Bevor wir weiterfahren, essen wir zur Abwechslung mal wieder ein paar Burger - diesmal beim guten alten Mc Donalds. Dann schmieden wir die Pläne für den restlichen Tag: Wir wollen möglichst nahe an das Monument Valley heranfahren, damit wir morgen schnell am Grand Canyon sind. Unser Reiseführer empfiehlt uns, bis nach Mexican Hat zufahren, wo es ein paar Übernachtungsmöglichkeiten gibt. So geht es also über die #163 nach Mexikan Hat.

Doch was wir hier erleben, spottet jeglicher Beschreibung. Eigentlich kamen uns Indianer schon immer etwas fremdartig vor (ich weiß, man soll nie verallgemeinern), doch an diesem Abend verspielten sie leichtfertig auch noch die restlichen Sympathien. Wir kommen also in dem total verwahrlosten Dörfchen an und Philipp fragt höflich in einem der beiden Motels den grimmig dreinschauenden Mann, ob wir das Hotelzimmer besichtigen dürfen, da es immerhin $50 kostet. Und was bekommen wir zur Antwort? Ein unwirsches "No". Auch auf eine erneute Nachfrage, lässt uns der Navajo-Indianer abblitzen. Beleidigt treten wir den Rückzug an. Nun bleibt nur noch das andere Motel übrig.

Doch auch hier ist nur noch ein Zimmer frei. Immerhin kann Philipp den Preis von $50 auf $30 drücken. Eigentlich alles in Ordnung, denken wir. Leider nur bis wir das Zimmer besichtigen! Denn als wir die Türe aufschließen, bekommen wir einen mächtigen Lachanfall: Das Zimmer hat gerade einmal 4 m², keine Dusche und hinter einer kleinen Mauer ist eine niedliche Kackecke. Immerhin ist noch ein kleines Fenster mit Sicht auf die Wüste eingebaut. Unglaublich, dass man dafür $30 verlangen kann! Selbst ein Dollar wäre noch zu teuer gewesen. So bleibt uns also nichts anderes übrig, als wieder zurück nach Bluff zu fahren.

Immerhin haben wir hier mehr Glück und bekommen ein Quartier in der Recapture Lodge ($52). Doch auch hier stimmt das Preis-/Leistungsverhältnis nicht unbedingt, da das Zimmer doch schon etwas älter ist. Immerhin gibt's ein Pool und einen Hot Tub, die sogleich von Philipp angetestet werden. Wir müssen wieder einmal feststellen, dass die Motels in der Nähe von Touristenattraktionen einfach teurer sind. Damit wir morgen am Grand Canyon nicht in Schwulitäten bei der Suche nach einem Campground kommen, reserviere ich bei Biospherics über eine kostenlose 1-800-Nummer einen Zeltplatz (Mather-Campground) für zwei Tage. Die Kosten ($24) werden automatisch von meinem Girokonto abgebucht.

Doch der eigentliche Wahnsinn sollte erst noch kommen. Denn als wir abends im gemütlichen Twin Rocks Cafe leckeres Fry Bread essen, treffe ich einen Bekannten aus meinem Wohnort! Wie klein mag wohl die Chance sein, jemand Bekanntes in einem 10 Einwohner Nest in Amerika zu treffen? Wir sind beide ziemlich aus dem Häuschen und quatschen noch ein wenig. Dann geht es aber auch schon schnell ins Bettchen.
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