Tagebuch 2005

3. Tag: Los Angeles - Las Vegas

 Freitag, 17.06.05: Auf in die schrecklichste Stadt auf diesem Planeten
 Wetter: vormittags bewölkt, später nur noch heiß
 Temperatur: 25° - 36° C

Auch heute sind wir schon recht zeitig wach, denn es steht die Fahrt nach Las Vegas an. Um ehrlich zu sein, bin ich davon alles andere als begeistert, denn ich hasse Las Vegas! Für mich ist es eine einzige ökologisch nicht zu vertretende Kommerz-Blase, die sich nur durch das Glückspiel und die - zugegebenermaßen mit viel Detailliebe umgesetzt - künstlichen Nachbauten von Sehenswürdigkeiten ernährt. Zudem ist es mir dort viel zu hektisch, zu laut und viel zu heiss. Aber um zum Grand Canyon zu kommen, ist es nahezu die einzige Zwischenstation und zudem hat Michael Las Vegas noch nicht gesehen. Ich bin schon ziemlich gespannt, ob er sich ähnlich negativ darüber äußern wird!

Das Paris Paris HotelNach dem Frühstück gehen wir mit unseren gepackten Koffern vor zur Rezeption um zu bezahlen. Doch als wir die Rechnung bekommen, trifft uns der Schlag: unsere zwei Telefonate in die Heimat vom Zimmer aus kosten uns - auch durch den ein oder anderen Fehlversuch - 24$! Grrrrr! Und das, obwohl uns noch vom Bellboy versichert wurde, dass ein Telefonat nach Deutschland um 1$ kosten würde. Alles Diskutieren bringt jetzt natürlich nichts mehr und wir steigen mit einem leicht dicken Hals ins Auto ein.

Wir fahren über die #22 auf die Interstate 15 Richtung Osten. Es geht weitestgehend durch sehr eintöniges und zumeist verdorrtes Gelände - Wüste halt. Der Verkehr ist nicht allzu dicht, aber dafür bruzzelt die Sonne wirklich äußerst intensiv.

Als wir nach ca. 4 Std. in Las Vegas ankommen, hat es um die 35° C. Da heute Freitag ist, ist auf dem Strip natürlich die Hölle los und wir stecken erstmal fest. Ich liebe Las Vegas ;-( Das gibt uns aber nochmals etwas Zeit in unserem Reiseführer nach einem günstigen Hotel Ausschau zu halten. Leider müssen wir lesen, dass die Preise von Freitags bis Sonntags in allen Hotels gut ein Drittel höher sind. Und da wir keinen Wert darauf legen in einem der großen Casinohotels zu übernachten, checken wir kurzerhand in der Travelodge gleich am Anfang des Strips für 97$ das DZ ein.

Michael bestaunt den aufgemalten Himmel im Caesar's PalaceWir werfen unsere Koffer in das Zimmer, das nicht gerade die höchsten Sicherheitsansprüche abdeckt, und laufen gut eingeschmiert und mit Hut ausgestattet erstmal vor zum Strip, um etwas Atmosphäre aufzuschnappen. Es ist wirklich unglaublich, aber der Wind peitscht hier mit einer gigantischen Geschwindigkeit entlang und streut einem feine Sandpartikel in die Augen. Wir drängeln uns durch die Massen und beschließen erstmal bei Fatburger einzukehren. Hier werden die Burger noch richtig frisch zubereitet - sehr lecker!

Dann geht's wieder raus und wir laufen dieses Mal nordwärts am MGM vorbei und überqueren die Straße, um ins Caesar's Palace einzutreten. Was uns hier geboten wird, ist wirklich der absolute Wahnsinn: das Casino mit seinen unzähligen Slot-Machines, Blackjack- und Roulette-Tischen und den riesigen Bars nimmt Hunderte von m² ein und leicht bekleidete, größtenteils künstlich "aufgepimpte" reifere Damen servieren den Spielern Gratis-Drinks. Nicht, dass ich das bei meinem letzten Besuch in Las Vegas noch nicht gesehen hätte, aber die Erinnerung war einfach nicht mehr so frisch und somit bin ich aufs Neue von dieser Szenerie doch irgendwie beeindruckt.

Ein Harley Davidson Laden mitten auf dem StripDoch das ist noch lange nicht genug! Im Anschluss an das Casino beherbergt das Caesar's Palace einen monströsen Shopping-Komplex, wo man das gewonnene Geld gleich wieder reinvestieren kann. Hier finden sich Shops für Arm und Reich, von Gucchi bis Versace, von Abercrombie bis Gap. Für jeden ist etwas dabei. Natürlich finden sich hier auch unzählige Fresstempel, Fast Food-Läden und Cafes. Was hier an einem Tag umgesetzt wird, davon können wir in unserem Depressionsstandort Deutschland nur träumen! Wer etwas über Ökonomie lernen möchte, der sollte sich das hier einmal anschauen!

So verbringen wir fast 2 Std. damit, uns das Caesar's Palace genau anzuschauen. Michael ist total fasziniert von den antiken Brunnen und dem aufgemalten römischen Abendhimmel. Und wenn diese Menschenmassen nicht wären, dann wär's hier wirklich einigermaßen romantisch. Anschließend gönnen wir uns immer noch bei Windstärke 8 eine leckere Crushed-Ice-Limonade. Erschöpft beschließen wir, erstmal ein kurzes Nickerchen in der Travellodge einzulegen.

Als wir dann um 20:30 Uhr wieder aufwachen, machen wir uns nochmal auf dem Weg zum Paris Paris mit dem halbierten Eifelturm und ins Venetian, wo wir Pärchen beobachten, die sich in den original nachempfundenen venetianischen Gondeln durch Kanäle schippern lassen und sich dabei auch noch besingen lassen. Das ist so superschmalzig, dass ich zutiefst angewidert das Weite suche und wir um kurz vor zwölf ins Hotelbettchen plumpsen.

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