Reisetagebuch

14. Tag: San Diego - Las Vegas

 08.09.99: Krankes Las Vegas
 Wetter: sonnig
 Temperatur: 36° C
 Autor: Thomas Flinspach

Heute ist ein wahnsinnig heißer Tag. Und ausgerechnet jetzt fahren wir nach Las Vegas. Aber da müssen wir jetzt durch. Schon auf dem ersten Teilstück der Interstate 15 schalten wir die Klimaanlage ein. So langsam lernen wir sie richtig schätzen. Wir versüßen uns die lange Fahrt mit guter Musik und leckerem Reiseproviant wie M&Ms und Pepsi. Nach gut dreistündiger Fahrt passieren wir die Grenze nach Nevada. Kaum zu glauben, aber nur einen Meter nach der Grenze steht mitten in der Wüste ein Hotel, mit integriertem Casino versteht sich, und einer Achterbahn. "Die müssen verrückt sein, die Amis", denken wir uns. Doch so ganz verwunderlich ist der Standort des Casinos auch wieder nicht. Schließlich ist Nevada der einzige Bundesstaat, wo das öffentliche Glücksspiel erlaubt ist.

Blick auf das "Venetian"Schließlich machen wir in einem abgefuckten Nest namens Baker Halt, wo wir eine Kleinigkeit essen und unseren Wagen für einen "leicht" erhöhten Benzinpreis (Wahnsinnspreis von $1,85) wieder auftanken. Um 15.00 Uhr kommen wir dann in Las Vegas an. Von der I15 kommend, sieht man schon aus der Ferne die Skyline, die hauptsächlich aus dem 300 Meter hohen Stratosphere Tower und den anderen Casinos am Strip besteht. Schubi hat uns empfohlen im Imperial Palace Hotel zu übernachten, da es sehr günstig ist. Mittlerweile läuft die Klimaanlage auf Hochtouren. Draußen ist die Hitze nun absolut unerträglich (ca. 36°C) und selbst der Wind weht einem nur heiße Luft ins Gesicht. Auf dem Strip sieht man zwar noch unzählige Passanten, die sich aber immer wieder wegen der Klimaanlagen in die Eingangshallen der Hotelcasinos flüchten.

Nach kurzer Zeit haben wir das Imperial Palace gefunden. Es befindet sich mitten auf dem Strip. Wir stellen unseren Wagen in der hoteleigenen Tiefgarage ab und betreten die Eingangshalle. Uns stockt der Atem - so etwas Verrücktes haben wir wirklich noch nie gesehen. Die gesamte Eingangshalle ist mit Unmengen von einarmigen Banditen gefüllt, die zu unserem großen Erstaunen auch noch fast alle besetzt sind. Nur mit großer Mühe findet man die Rezeption. Schließlich checken wir für $39 ein. Das Zimmer ist wirklich recht ordentlich. Nach einer kurzen Erholungsphase brechen wir um 20.00 Uhr auf, um den Strip unsicher zu machen. Nun sind die Temperaturen auch etwas angenehmer. Als erstes müssen wir allerdings die großen Löcher in unseren Mägen stopfen. Und dies kann man nirgendwo so billig tun wie in Las Vegas, denn hier locken die Hotels die Kundschaft mit billigen Speise- und Getränkepreisen an, damit ordentlich gezockt wird.

Auf der Suche nach dem günstigsten Buffetangebot schauen wir uns zuvor noch die Seeschlacht vor dem Treasure Island Hotel an. Im nachhinein hätte man sich diese Attraktion aber ruhig schenken können. Dagegen ist das Buffet für $9.99 durchaus zu empfehlen. Wir schlagen uns die Bäuche mit leckerem Salat, Steaks und Pasta voll. Selbstverständlich kann man hier auch soviel trinken bis man umfällt.

Blick auf das "Caesar's Palace"Zwei Stunden später torkeln wir aus dem Treasure Island heraus und besichtigen die anderen Hotels. Man hat den Eindruck, dass Las Vegas bei Nacht noch heller als bei Tag ist. Immerhin glitzert bzw. strahlt jedes Hotel wie ein festlich geschmückter Tannenbaum zur Weihnachtszeit. Besonders beeindruckt waren wir von dem gerade fertig gestellten "The Venetian" - einem 1 zu 1 Nachbau Venedigs. Hier wurde einfach an alles gedacht, denn selbst die Gondoliere sprechen italienisch und Tauben drehen ihre Kreise. Dagegen sind das Mirage, Little Paris und das Caesar's Palace doch eher bieder-konservative Kasinos geblieben.

Philipp posiert auf dem "Strip"Im Venetian packt mich dann endlich die Spiellust und ich versuche mich, nachdem ich meine $10 gegen Chips eingetauscht habe, am Roulettetisch. Und schon nach kurzer Zeit habe ich endlich begriffen, was mit dem Sprichwort "Pech in der Liebe - Glück im Spiel" gemeint ist. Ich habe nämlich viermal auf die richtige Farbe gesetzt und dadurch $40 gewonnen. Nun ist auch die richtige Zeit aufzuhören und so habe ich praktisch meinen Las Vegas-Aufenthalt wieder refinanziert. Auch Philipp hat eine Glückssträhne und gewinnt ebenfalls beim Roulette im Caesar's Palace $55. So ein grandioser Erfolg muss natürlich entsprechend gefeiert werden und so verbringen wir den Rest des Abends im Little Paris. Besonders auffällig ist hier der an der Decke aufgemalte Abendhimmel der durch diffuses Licht angestrahlt wird. Hierdurch hat man immer den Eindruck, dass es früh am Morgen sei. Zudem hat es im Little Paris die mit Abstand schönsten Frauen!

Als wir dann wieder im Imperial Palace ankommen, hat Philipp die grandiose Idee, noch etwas fernzusehen. Hierbei entdeckt er, das seiner Meinung nach, kostenlose Pornoprogramm des Hotels. Also schaltet er einen dieser peinlich-bescheurten Sexfilme frei. Erst nach kurzer Zeit entdecke ich, dass man pro Film $12.95 löhnen muss. Nach kurzem Schock meint Philipp, dass er die Angelegenheit morgen an der Rezeption schon regeln wird. Na, dann warten wir's mal ab...
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