Mount Rainier Nationalpark – Boise – Yellowstone Nationalpark
Freitag & Samstag, 30./31.05.08: Durchs Niemandsland zum Nationalparkparadies
Wetter: Sonnig
Temperatur: 32 ° C
An meinem 14. und 15. Urlaubstag steht leider die 900 km lange Überfahrt zum Yellowstone Nationalpark an. Ursprünglich wollte ich auf dieser Überfahrt den farbenprächtigen und 22 Meilen langen Hell’s Canyon bei Baker City durchfahren, aber obwohl ich schon um 7 Uhr vom Cowlitz Falls Campground los gefahren bin, hat die Zeit leider nicht mehr dafür ausgereicht. Denn die Route über die traumhafte #410, die durchs Hochgebirge führt, und dann weiter über die #82 und #84 hat doch wesentlich mehr Zeit in Anspruch genommen, als ich dachte. Die Landschaft im östlichen Teil von Washington und Oregon ist wirklich spektakulär schön. Wieder einmal bekomme ich vor Augen geführt wie weit doch dieses Land ist.
Die Landschaft ist sehr hügelig und mit vielen kleinen Grasbüscheln bewachsen, was dem ganzem Ambiente einen gewissen Touch von Wilder Westen Romantik verleiht. Auch der Himmel ist heute traumhaft schön und vereinzelt sind sogar Kumulus Wolken zu sehen. Der Spruch “Der Weg ist das Ziel” hatte selten so eine Gültigkeit wie jetzt und hier. So kann man dann auch die gut 8-stündige Fahrt auf teilweise sehr monotoner Strecke hinter sich bringen.
Nach einem kurzen, aber auch wirklich sehr kurzen Abstecher nach Boise (Hauptstadt Idahos), habe ich schlussendlich in dem sehr unschönen Ort Mountain Home im KOA Campground einen Zeltplatz für ordentliche $21 gemietet. Idaho ist definitiv und mit weitem Abstand der langweiligste und ödeste Bundesstaat den ich in Amerika bisher besucht habe. Außer Wüste und Kühe gibt es hier einfach gar nichts! Und wer’s nicht glaubt, soll es sich doch einfach mal selber anschauen. Selbst Boise hat außer unglaublich viel Verkehr nichts zu bieten. Und hier im herunter gekommenen Mountain Home gibt es außer der Kurly’s Sportsbar kein weiteren Ort, wo man einen gemütlichen Abend verbringen könnte. Das hatte ich mir natürlich im Vorfeld anders vorgestellt und bis deshalb nicht besonders gut gelaunt.
Die Nacht auf dem KOA Campground war zudem auch sehr anstrengend: Alle halbe Stunde fuhr ein Zug mit lautem Getöse vorbei und auf der angrenzenden Hauptstraße war natürlich auch bis in die frühen Morgenstunden jede Menge Jungvolk mit Ihren lauten Autos unterwegs. An Schlaf war also nur sehr partiell zu denken.
Für die ganze Fahrerei und auch die weitestgehend schlaflose Nacht sollte ich aber recht schnell entschädigt werden. Denn an diesem Samstag treffe ich um 15 Uhr endlich voller Vorfreude in West Yellowstone ein und checke sofort in meinem von Deutschland aus vorgebuchten KOA-Campground ein. Dieser befindet sich gut 6 Meilen vor dem eigentlichen Parkeingang und macht einen wirklich sehr gepflegten Eindruck.
Ich habe aber nicht einen Zeltplatz, sondern eine Blockhütte für $68 gebucht. Auf der einen Seite war das sicherlich eine gute Entscheidung, denn zelten macht hier Anfang Ende Mai nicht wirklich Spaß. Gerade gibt es auch schon wieder einen unschönen Regenschauer und die Temperatur ist bei gefühlten 5° C. Aber auf der anderen Seite stelle ich bei der Fahrt durch West Yellowstone fest (kleines Örtchen vor dem Parkeingang mit einer perfekten Infrastruktur: Arby’s, Mc Donald’s, Supermarkt, Internet Café), dass selbst heute am Samstag noch jedes Hotel freie Zimmer anbietet. Da hätte ich sicherlich für den gleichen Preis etwas Besseres bekommen, als eine muffige Blockhütte ohne Bad und Dusche.
FOTOSTRECKE
Direkt nach West Yellowstone geht es in den Park hinein. Ich löhne hier brav die $25 Eintrittsgebühr und vergegenwärtige mir nochmals, dass ich für die Suspension Bridge in Vancouver den gleichen Betrag bezahlt habe. Und wie sich in Folge heraus stellen sollte, waren diese $25 verdammt gut angelegt.
Der Yellowstone Nationalpark ist unterteilt in eine Nord- und in eine Südschleife. Da es mittlerweile schon 15:30 Uhr ist habe ich mir nur ein kleines Teilstück der Südschleife vorgenommen. Doch schon nach wenigen Metern kommt der Verkehr vor mir komplett zum Erliegen und es bildet sich ein langer Stau. Ich bin schon leicht angenervt, weil mein Zeitplan schon ziemlich ins Wanken gekommen ist.
Doch dann sehe ich, was der Grund für den Stau ist: Eine Horde Bisons hat sich mitten auf die Straße gestellt und jetzt versucht natürlich jeder Besucher aus nächster Nähe das perfekte Bild zu schießen. Natürlich kann auch ich nicht anders als anzuhalten und Unmengen von Fotos zu machen. Wirklich unfassbar, wie seelenruhig sich diese riesigen Paarhufer vor den Autos herumlaufen, um dann auf der anderen Straßenseite vom saftigen Grün zu naschen. Es fehlt wirklich nicht viel und man könnte ihr zottliges Fell streicheln. Aber das lasse ich doch besser bleiben.
Dann geht es weiter zum Städtchen Madison. Schon jetzt bin ich aber hin und weg von diesem herrlichen Flecken Erde. Es hat den Anschein, dass sich der liebe Gott hierfür ganz besonders viel Zeit und Muse genommen hat. Dieser Mix aus Nadelwald, Flüssen, saftigen Wiesen, Blumenbeeten, schneebedeckten Bergen und dieser fantastischen Tierwelt sucht definitiv seinesgleichen auf diesem Planeten. Und dabei habe ich die ersten Geysire noch garnicht gesehen.
Zuerst halte ich auf meiner Fahrt über die Südschleife am Fountain Paint Pot, der ersten größeren Ansammlung von heißen Quellen und Geysiren, an. Hier brodelt es überall, riecht streng nach Schwefel und die einzelnen Geysire produzieren auch jede Menge Dampf. Das Farbenspiel aus dem Tiefseeblau der Geysire und den intensiven Rottönen der Caldera ringsherum ist einfach wunderschön. Ich war zwar schon im Lassen Volcanic Nationalpark, aber diese Ansammlung und Variationen von Geysiren ist dort natürlich nicht vorhanden.
Dann geht es weiter zum Great Fountain Basin und zum Midway Geysir Basin mit dem bekannten Grand Prismatic Spring. Ok, ehrlich gesagt kannte ich die vorher auch nicht, aber es ist eine kreisrunde, tiefblaue Quelle, die durch Bakterienablagerungen und Mikroorganismen eingefärbte Ränder besitzt. Sie misst im Durchmesser stolze 100 Meter und wirkt wirklich sehr imposant. Schwer zu sagen, welche der unzähligen Quellen nun die schönste ist. Jede ist für sich eine Schönheit.
Zum Schluss des heutigen Tages fahre ich noch zur Upper Geysir Basin. Man darf sich nicht täuschen lassen, denn die Fahrt auf dieser kurvenreiche Straße dauert viel länger als man erwartet. Die Höchstgeschwindigkeit ist max. 45 mph und sehr oft bildet sich ein mittelgroßer Stau, weil sich ein paar Bisons mal wieder in ihren monströsen Schädel gesetzt haben, die Straße zu kreuzen. Im Upper Geysir Basin laufe ich auch alle schön mit Holz befestigten Wege ab und verharre insbesondere bei dem sensationellen Morning Glory Pool. Der “Pool” ist neben dem “Old Faithful Geyser” und dem “Castle Geyser” eine der schönsten Sehenswürdigkeiten des “Upper Geyser Basin” im Park und punktet mit seinen schillernden Farben, die durch die im heißen Wasser lebenden Bakterien entstehen. Wahnsinn!
Dann ist auch schon 19 Uhr und ich trete den Rückzug an. Nach gut 45 Minuten bin ich dann schließlich wieder in meiner Blockhütte angekommen und gönne mir noch auf meiner kleine Veranda ein kühles Budweiser.
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