Cannon Beach – Mount Rainier Nationalpark
Donnerstag, 29.05.08: Mit Sneakers durch den Tiefschnee
Wetter: Bewölkt, später sonnig
Temperatur:1 8-24 ° C
Schade, aber nur nach einem Tag heisst es schon wieder Abschied nehmen von diesem zauberhaften Küstenstädtchen. Ich packe schon um 7 Uhr mein Zelt zusammen und kehre noch auf einen Kaffee ins Bella Espresso im Zentrum von Cannon Beach ein.
Dann bin ich aber schon voll auf mein heutiges Ziel, dem Mount Rainier, fokussiert. Nach den vielen Städten und Stränden geht’s jetzt also ins Gebirge. Genauer gesagt geht’s hoch auf gut 1600 Meter zum dortigen Visitor Center. Der Mount Rainier an sich ist 4.400 Meter hoch und kann mit einem Bergführer in einer dreitägigen Tour bestiegen werden. Ganz so wild will ich es nicht angehen. Und was mich nun genau heute Nachmittag da oben erwartet, weiß ich auch nicht wirklich. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt.
Ich fahre erstmal den 101 Highway weiter bis zum nördlichsten Punkt Oregons. Das ist das Küstenstädtchen Astoria und wäre sicherlich auch einen längeren Aufenthalt Wert gewesen, wenn nur das Wetter schöner gewesen wäre.
Dann fahre ich über die #30 nach Osten und dann weiter über die I-5 und schließlich die #12 nach Packwood. Das Wetter spielt nun mittlerweile auch wieder mit und ich kann endlich das Fenster runterkurbeln. Alles wäre so traumhaft, wenn ich nicht im örtlichen Supermarkt von der Kassiererin die Information bekommen hätte, dass der Cayuse Pass hoch zum Mount Rainier über die #123 gesperrt ist. Und genau den wollte ich doch befahren! Na, super! Jetzt muss ich also den halben Weg wieder zurückfahren und über den westlichen Haupteingang den Nationalpark betreten.
FOTOSTRECKE
Eineinhalb Stunden später stehe ich vor dem besagten Haupteingang und löhne brav meine $15 und kann schnell feststellen, dass sich der ganze Aufwand wirklich gelohnt hat. Denn die gut 14 Meilen serpentinenreiche Anfahrt hinauf zum Besucherzentrum ist einfach atemberaubend! Überall dichter Nadelwald gepaart mit mächtigen Gebirgsfelsen und dazwischen liegt fast durchgängig zentimeterdick Schnee. Hin und wieder bahnt sich auch ein Wasserfall seinen Weg hinunter ins Tal und ich habe auch das Glück, Rehe aus nächster Nähe zu beobachten. Atemberaubend ist auch der Blick auf einen der Gletscher, der sich unter einer großen Brücke durchschiebt.
Nach gut 30-minütiger Fahrt komme ich schließlich an dem baufälligen Besucherzentrum an. Von hier aus beginnen einige der zahlreichen Wanderwege rund um den Berg herum. Mein intelligenter Reiseführer sagt mir, dass ich auf jeden Fall den Nisqually Vista Nature Trail und die Edith Creek Basin Route abzuwandern.
Und so schlappe ich also mit meinen schicken Puma-Sneakern in Richtung Nisqually Wanderweg und muss schnell feststellen, dass Schneestiefel auf 1.600 Meter Höhe und Ende Mai die weitaus bessere Option gewesen wären. Soweit hätte ich eigentlich auch denken können. Jetzt wird es also ein recht feuchtes und auch rutschiges Vergnügen, da der Schnee hier gut 15 cm hoch liegt. Sehr angenehm ist hingegen, dass ich mutterseelenallein unterwegs bin. Und so kann ich am zentralen Aussichtspunkt auf diesem Rundwanderweg einen traumhaften Ausblick auf den Nisqually Gletscher genießen. Das ist jetzt wieder so ein Moment, warum ich ganz genau weiß, warum ich immer wieder in den Westen der USA zurück komme. Auch wenn das viele nicht verstehen mögen, aber diese Vielfalt und Abwechslung von aufregenden Metropolen und den unvergleichlichen Naturphänomenen, gibt es nur hier.
Die Edith Creek Basin Route ist zwar eher etwas für Ski-Fahrer, die im Übrigen hier oben auch sehr zahlreich vertreten sind, aber das hält mich natürlich nicht davon, diesen nun abzulaufen. Nasser kann ich sowieso nicht mehr werden. Leider bedeckt immer noch eine dicke Wolkendecke die obere Hälfte des Mount Rainier, sodass man nicht seinen fantastischen “Zuckerhut” einsehen kann.
Als ich dann nach einer halben Meile am Ursprung eines der Wasserfälle ankomme, sehe ich gut 20 Meter von mir entfernt ein Tier. Ich kann es leider auch nach genauerem Hinsehen nicht identifizieren, aber Big Foot scheint es nicht zu sein. Dafür ist es schlichtweg zu klein. Sieht eher wie ein Otter oder ein Biber aus. Vorsichtig trete ich wieder den Rückzug an. Ich werfe noch einen kurzen Blick in das Paradise Inn Hotel aufgrund der sehr hübschen Halle. Danach breche ich auch schon wieder auf, denn mittlerweile ist es auch schon fast 17 Uhr und ich muss mir noch eine Unterkunft für heute Nacht suchen.
Nach etwas Suchen komme ich schließlich im abgelegenen Cowlitz Falls Campground zwischen Randle und Morton unter. Der Zeltplatz kostet mich auch nur $16 und ist wirklich sehr gepflegt und wunderschön in einem Waldgebiet gelegen.

