Frankfurt – Los Angeles
Mittwoch, 15.06.05: Der Roadtrip beginnt mit einem “indischen Problem”
Wetter: sonnig
Temperatur: 27° C
Es ist schon ein eigenartiges Gefühl: da träumt man wochen- und monatelang von all den wundervollen Orten, die man sich anschauen will, von den vielen aufregenden Dingen, die man unternehmen will und von einigen besonderen Menschen, die man nach langer Zeit wieder treffen will. Und ist dann dieser Tag plötzlich gekommen, kann man irgendwie die angestaute Vorfreude nicht so recht kanalisieren und noch schlimmer, sie verflüchtigt sich auch noch teilweise aufgrund der Anspannung des bevorstehenden langen Fluges (11,5 Std.) und der Angst, es könnte etwas schief gehen. Irgendwie ätzend, aber bei mir leider der übliche Gang der Dinge.
Jedenfalls ist er heute gekommen, der Tag an dem mein 3-wöchiger Roadtrip mit meinem Berliner Kumpel Michael durch den Südwesten der USA beginnt. Eigentlich sind es vier Wochen, denn ich hänge noch sechs Tage in San Diego dran. Michael dagegen fliegt schon am 05.07. von L.A. aus wieder zurück nach Frankfurt.
Tsunami Warnung und ein indisches Problem
Nach einem letzten gemütlichen und sehr leckeren schwäbischen Frühstück packe ich meine Utensilien in einen geliehenen Wanderrucksack und verstaue noch ein paar Kleinigkeiten in meine voluminöse Sporttasche, wo sich auch meine Luma, mein Schlafsack und das ebenfalls von einer Freundin geliehene Jack-Wolfskin-Zelt befinden. Entspannt höre ich nebenbei noch ein vorerst letztes Mal SWR1.
Und was muss ich da plötzlich hören? Tsunami-Warnung an der gesamten amerikanischen Westküste aufgrund eines Seebebens ;-(( Das kann doch wohl nicht sein oder? Doch ich habe keine große Zeit mehr, mich näher mit diesem klitzekleinen Problem zu befassen und verlasse kurz vor 10 Uhr meine Bude und fahre mit dem ICE in nach Frankfurt. Hier treffe ich pünktlich um 11:15 Uhr Michael am Air India-Schalter, der auch schon voller Vorfreude ist, aber dennoch nicht komplett gelöst wirkt.
Das hat auch seinen Grund! Denn er erzählt mir mit dickem Hals, dass ausgerechnet unser Flieger geschlagene 4 Std. später abhebt! Na, klasse! Und als wir die Dame am Schalter nach dem Grund fragen, erwidert Sie mit gequältem Blick: “Das ist ein indisches Problem!“. Aha, alles klar! So bleibt uns also nichts anderes übrig als die verbleibende Zeit abzusitzen. Zumindest scheint sich die Tsunami-Warnung als nicht besonders relevant herauszustellen, denn hier am Flughafen redet niemand groß davon.
Wir heben endlich ab
Um 18 Uhr heben wir dann endlich ab. Allerdings mit einem etwas mulmigen Gefühl, denn unsere lieben indischen Freunde haben nicht gerade besonders tief ins Portmonnaie gegriffen. Wir sitzen nämlich in einer ziemlich alten Boeing 747. Und von einem guten Film können wir hier auch nur träumen. Zumindest haben wir ordentlich Beinfreiheit und unser Mittelplatz ist frei geblieben. So landen wir dann nach 11,5 Std. gesund, aber weniger munter in Los Angeles.
Hier gilt es dann erstmal die strikten Einreisekontrollen zu überstehen. Natürlich haben wir brav unseren grünen VISA Waiver ausgefüllt und stellen uns auch brav in eine der zahlreichen Schlangen an. Dennoch kommen wir nicht umhin, beide Zeigefinger und unsere Iris scannen zu lassen. Dann noch ein paar nervige Fragen über sich ergehen lassen und dann hat man’s eigentlich schon geschafft.
Dann kämpfen wir uns mit unserem wiederaufgenommen und vollständigen Gepäck zu unserem Alamo-Shuttle vor. Um dann kurze Zeit später, nachdem wir noch 40$ für die erste Tankfüllung abgedrückt haben, in unseren roten Pontiac einsteigen. Und dann ist der Moment endlich gekommen, auf den ich so lange gewartet habe: mit cooler Westcoast-Mukke bei Nacht durch L.A. düsen! Wow, what a feeling!
Da fällt es auch überhaupt nicht ins Gewicht, dass wir uns erstmal ordentlich verfahren. Aber nach ca. 50 min. haben wir dann unser Ramada Plaza Hotel in Anaheim (69$ das DZ) gefunden und fallen dann erschöpft um 23:30 Uhr in unsere Betten. Obwohl uns hier der typisch amerikanische Chlorgeruch irgendwelcher Putzmittel in die Nase steigt, können wir beide relativ schnell einschlafen.

