Allgemein, Kalifornien
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Ab in den Container

In der letzten Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wurde im Feuilleton über die mittlerweile nicht mehr zu übersehenden Spuren der Finanzkrise in Kalifornien berichtet. Zwei Entwicklungen sind hier zu verzeichnen: es werden in den nächsten Monaten Containerstädte hochgezogen, um die Wohnungsnot wenigstens einigermaßen zu lindern und immer mehr US-Bürger fahren mit Bus und Bahn. Tja, jedes Schlechte hat auch wieder irgendwo etwas Gutes.

Aber was ich hier lesen musste, war wirklich erschreckend, denn mittlerweile leben viele Kalifornier, die durch die Finanzkrise ihr Haus und teilweise auch ihren Job verloren haben, in Zeltstädten – zusammen mit Obdachlosen. Andere wiederum wohnen bei Freunden oder Verwandten oder gar in einem Chevy Silverado mit Ladefläche und King-Size-Kabine!?! Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zwangsversteigerungen um 45% gestiegen, 100.000 mehr Menschen haben ihr Haus verloren und vor den Städten wachsen neue, so genannte „Hoovervilles“ (Barackenlager).

Die Wohnungsnot nimmt also schon dramatische Ausmaße an!

Verschärfend hinzu kommt, dass der kalifornische Staat einmal mehr vor der Insolvenz steht. „Hast la Vista“-Gouverneur Schwarzenegger wurde bei der Ratifizierung seines, eigentlich vernünftigen Konjunkturprogramms, übelst von den Bürgern bei der letzten Wahl ausgebremst und somit herrscht nun erstmal Stillstand.

Aber Kalifornien hat dennoch Lösungen anzubieten: so sollen jetzt „paper emergency shelters“ errichtet werden. Darunter versteht man schnell errichtbare Schutzbauten. Zudem arbeiten mehrere Architekten in L.A. daran, aus nicht mehr benutzten Containern, Siedlungen zu bauen. Die Mieten sollen sich bei $120 einpendeln.

Immerhin scheint nun der Mittelstand zu verstehen, dass die Zeit, der auf Pump gekauften Häuser, endgültig vorbei ist: small is beautiful! Und es gibt immer mehr Ansätze für das Bauen mit beschränkten Mitteln. Jede Krise schafft also auch ihre eigene Antithese.

Die zweite Entwicklung ist dagegen erfreulich: Die stark steigende Nutzung der öffentlichen Nahverkehrssysteme. Dies resultiert aus den immens gestiegenen Benzinkosten, der finanziellen Notlage aufgrund des Jobverlusts oder natürlich auch aufgrund der ewigen Staus in L.A. Die Fahrgastzahlenwaren 2008 so hoch wie nie zuvor und auch der Ruf des ÖPNV ist bei weitem nicht mehr so schlecht wie früher. Wer früher mit dem Bus fuhr war „krank, arm oder illegal“. Und so investieren die Kommunen ihre letzten Kröten in diese Transportsysteme und setzten auf diesen Trend.

Falls einer soeben gerade wieder aus Kalifornien zurückbekommt, würde es mich schon interessieren, ob er diese von der FAS geschilderten Entwicklungen bestätigen kann.

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Kategorie: Allgemein, Kalifornien

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Hallo, ich bin Thomas und habe mein Herz an meine wunderbare Freundin und die amerikanische Westküste verloren. Was mich so sehr an der US Westcoast fasziniert? Am meisten liebe ich die traumhaften Landschaften, die grandiosen Nationalparks und die faszinierenden, pulsierenden Metropolen. All das gepaart mit dem lockeren amerikanischen Lifestyle machen für mich die perfekte Rundreise aus.

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